Pressemitteilung zum Tag der offenen Tür am 22.09.2007
Das Seehaus Leonberg ist "Ausgewählter Ort 2007" im Land der Ideen
Leonberg, 22.09.2007 - Das Seehaus Leonberg gehört seit heute offiziell zu den "365 Orten im Land der Ideen". Das Projekt ist damit Teil der bislang größten Veranstaltungsreihe Deutschlands "365 Orte im Land der Ideen", die die Standortinitiative "Deutschland - Land der Ideen" gemeinsam mit ihrem Projektpartner Deutsche Bank durchführt. Alexander Klose, Leiter des Investment & FinanzCenters der Deutschen Bank Leonberg, überreichte Pokal und Urkunde an Christian Grewing, 1. Vorstand, und Tobias Merckle, Geschäftsführer von Prisma e.V.
Abseits von Gefängnismauern können straffällige Jugendliche ihre Haftzeit im Seehaus Leonberg verbringen. 14 bis ca. 21jährige Gefangene können sich für das Projekt bewerben. Bis zu sieben Jugendliche wohnen in einer Wohngemeinschaft mit Hauseltern und deren eigenen Kindern und lernen "funktionierendes" Familienleben kennen. Hier wartet ein durchstrukturierter und harter Arbeitsalltag auf sie.
Um 5.45 Uhr beginnt der Tag mit Frühsport, bis 22.00 Uhr sind die Jugendlichen in ein konsequent durchgeplantes Erziehungsprogramm eingebunden. Hausputz, Schule, Arbeit, Berufsvorbereitung, Sport, gemeinnützige Arbeit, Täter-Opfer-Ausgleich, soziales Training und die Vermittlung christlicher Werte und Normen sind fester Bestandteil des Konzepts. Sie dienen dazu, dass die Jugendlichen lernen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und sich als gesetzestreue Bürger in die Gesellschaft einzugliedern.
Das Seehaus Leonberg und das Partnerprojekt "Chance" vom Christlichen Jugenddorfwerk in Creglingen sind die ersten beiden Projekte dieser Art in Deutschland. Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll hat es 2003 ermöglicht, dass freie Träger Jugendstrafe "Jugendstrafvollzug in freien Formen" durchführen und Jugendliche außerhalb von Gefängnissen auf ein Leben in Freiheit vorbereiten. Im baden-württembergischen Jugendstrafvollzugsgesetz, das seit dem 1. August 2007 gilt, wurde auch der Jugendstrafvollzug in freien Formen gesetzlich als dritte Vollzugsform neben offenem und geschlossenem Vollzug verankert. Prisma e.V. steht mit anderen Bundesländern in Kontakt, um auch dort ähnliche Projekte aufzubauen.
Die Landesstiftung Baden-Württemberg hat das Seehaus Leonberg finanziell durch eine Anschubfinanzierung ermöglicht, viele Spender und Sponsoren haben haben den weiteren Betrieb gefördert. Für das Jahr 2007 bekam das Seehaus Leonberg ebenso wie das Partnerprojekt "Chance" in Creglingen (CJD) nochmals erhebliche Fördermittel.
Für den Einsatz für die Integration der Jugendlichen und damit auch die Sicherheit der Bürger durch gelingende Kriminalprävention wurde das Seehaus Leonberg als "Ausgewählter Ort 2007" ausgezeichnet.
Alexander Klose hob in seiner Laudatio besonders die Zukunftsfähigkeit des Jugendhofes hervor: "Der Jugendhof Seehaus arbeitet mit Leistungsbereitschaft und Herz daran, den jugendlichen Straftätern Verantwortungsbewusstsein zu vermitteln und ihnen eine Perspektive für ein straffreies Leben zu eröffnen. Damit gestalten das engagierte Projekt Zukunft für uns alle."
Justizminister Goll würdigte das Seehaus Leonberg in seiner Festrede als ein Ort, an dem ausgezeichnete Arbeit geleistet wird. Es sei hier ein zukunftsweisendes Modell entstanden, das "der inneren Sicherheit im Land, dem Rechtsfrieden und der Integration junger Menschen in Staat und Gesellschaft" diene. Auch Oberbürgermeister Bernhard Schuler und Weihbischof Thomas Maria Renz würdigten das Projekt in ihren Grußworten. Oberbürgermeister Schuler lobte, dass inzwischen ausschließlich positive Meldungen mit dem Jugendhof Seehaus verbunden würden: "Am Anfang gab es unter den Bürgern verständlicherweise Bedenken, aber inzwischen hat sich das Seehaus zum positiven Imageträger der Stadt entwickelt."
Zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter präsentierten und repräsentierten das Projekt zusammen mit Hauptamtlichen und mit den Jugendlichen des Seehauses. Geboten war ein informatives und unterhaltsames Programm für Alt und Jung: zwischen 12.00 Uhr und 18.00 Uhr wurden Speisen, zum Teil aus dem eigenen Holzofen, ein Programm für Kinder, ein Theaterstück sowie Führungen und Projektvorstellungen organisiert. Prof. Gerhard Veith von der Katholischen Hochschule Freiburg hielt einen Fachvortrag zum Thema "Positive Gruppenkultur".
Unter den Besuchern waren auch der Bundestagsabgeordnete Florian Toncar und die Landtagsabgeordneten Karl Zimmermann, Dr. Bernd Murschel, Vertreter des Gemeinderats Leonberg, Generalstaatsanwalt Klaus Pflieger und andere Persönlichkeiten aus Justiz, Kirche, Politik, Polizei, Wirtschaft und Gesellschaft.
Das Seehaus Leonberg wurde als einer von 365 Orten aus über 1.500 am Wettbewerb "Orte im Land der Ideen" beteiligten Projekten ausgewählt. Der Wettbewerb wird gemeinsam von der Deutschen Bank und der Standortinitiative "Deutschland - Land der Ideen" durchgeführt.
"Deutschland - Land der Ideen" ist die gemeinsame Standortinitiative der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft, vertreten durch den Bundesverband der Deutschen Industrie. Ziel ist es, im In- und Ausland ein Bild von Deutschland als innovatives und weltoffenes Land zu vermitteln. Schirmherr der Initiative ist Bundespräsident Horst Köhler.
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