Förderpreis Kriminalprävention geht nach Leonberg

Der diesjährige deutsche Förderpreis Kriminalprävention ist am Freitag in Münster verliehen worden. Die Stiftung Kriminalprävention prämiert damit lokale und regionale Projekte, die zur Verbrechensverhütung beitragen. Eine Auszeichnung ging an das Seehaus Leonberg.

Leonberg. 15.10.07 Gefördert werden Projekte, die modellhaft auf andere Regionen in Deutschland und Europa übertragbar sind. Die von der Stiftung Kriminalprävention mit Sitz in Münster ins Leben gerufene Auszeichnung wird jährlich in Zusammenarbeit mit mehreren kommunalen, polizeilichen und kriminalpräventiven Einrichtungen vergeben. Die von der Familie Stüllenberg gegründete Stiftung arbeitet seit 1995 auf ehrenamtlicher Basis an der Weiterentwicklung von Verbrechensverhütung und Kriminalpolitik.

In diesem Jahr wurden fünf Projekte zur Gewalt- und Verbrechensverhütung den mit je 10.000 Euro dotierten Preis erhalten. Die Preisträger kommen aus Berlin, Niedersachsen, Hessen und Baden-Württemberg und wurden aus über 100 Projekten ausgewählt.

Das Seehaus Leonberg wurde ausgewählt, da es als Modell für einen innovativen und modernen Jugendstrafvollzug steht. Durch die Vorbereitung der Jugendlichen auf ein Leben ohne Straftaten in Freiheit wird die Rückfallgefahr wesentlich verringert und so neue Straftaten verhindert.

"Die Verantwortlichen leisten einen enormen Beitrag zur Reduzierung insbesondere von Gewaltstraftaten in Deutschland und machen so unser Land noch ein Stück lebenswerter für alle Bürger", so der Vorstandsvorsitzende der den Preis vergebenden Stiftung, Klaus Stüllenberg (Münster).

Straffällige Jugendliche können sich aus der Haft heraus im Seehaus Leonberg bewerben und ihre gesamte Haftzeit dort verbringen. Sie erwartet ein durchstrukturierter und harter Arbeitsalltag. Um 5:45 Uhr beginnt der Tagesablauf mit Frühsport. Bis 22:00 Uhr sind die Jugendlichen in ein konsequent durchgeplantes Erziehungsprogramm eingebunden. Hausputz, Schule, Arbeit, Berufsvorbereitung, Sport, gemeinnützige Arbeit, Täter-Opfer-Ausgleich, soziales Training und die Vermittlung christlicher Werte und Normen sind fester Bestandteil des Konzepts. Bis zu sieben Jugendliche wohnen mit einer Mitarbeiterfamilie zusammen und lernen so "funktionierendes" Familienleben kennen.

Das Projekt wurde ebenso wie das vom Christlichen Jugenddorfwerk (CJD) betriebene Projekt Chance in Creglingen durch Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll und den von ihm ins Leben gerufene Projekt Chance e.V. initiiert und ermöglicht. Ohne die Unterstützung der Landesstiftung Baden-Württemberg wären beide Projekte nicht möglich gewesen. Das Motto der Landesstiftung Baden-Württemberg "Wir stiften Zukunft" wird bei jedem einzelnen Jugendlichen, der durch die Projektteilnahme eine Zukunftsperspektive bekommt wieder erneut deutlich. Viele Unternehmen, Kirchengemeinden, Stiftungen und einzelne Spender unterstützen das Projekt.

Im baden-württembergischen Jugendstrafvollzugsgesetz, das seit dem 1. August 2007 gilt, wurde auch der Jugendstrafvollzug in freien Formen gesetzlich als dritte Vollzugsform neben offenem und geschlossenen Vollzug verankert. In anderen Bundesländern gibt es Pläne, dem Modell Baden-Württembergs zu folgen.

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48165 Münster-Hiltrup
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