
Konzepte zum Umgang mit jugendlichen Straftätern
Landtagsdelegation informierte sich über alternative Formen des Jugendstrafvollzugs
Unser Foto zeigt die Delegation im Seehaus (Leonberg), von rechts nach links, Herbert Schneiders, MdL, Elfriede Meurer, MdL, Justizminister Dr. Heinz Georg Bamberger, Dr. Rolf Alexander Morié, Inspekteur der Bereitschaftspolizeien der Länder a. D., Mitglied der Geschäftsführung, Tobias Merckle, Geschäftsführer, Dieter Burgard, MdL, Dr. Jörg-Uwe Schäfer, Gerhard Meiborg, Clemens Hoch, MdL, und Dr. Stefanie Lejeune, MdL.
In einem zweitägigen Arbeitsprogramm informierte sich eine aus Mitgliedern des Rechtsausschusses und der Strafvollzugskommission bestehende Delegation des Landtags über Möglichkeiten eines alternativen Jugendstrafvollzugs. Die Informationsreise erfolgte vor dem Hintergrund des von der Landesregierung eingebrachten Entwurfs eines Landesjugendstrafvollzugsgesetzes, der aktuell im Rechtsausschuss beraten wird.
Mit dem Vorsitzenden des Rechtsausschusses Herbert Schneiders (CDU) an der Spitze der Delegation, die von Staatsminister Dr. Heinz Georg Bamberger (SPD) begleitet wurde, führte die Informationsreise zunächst in das Seehaus nach Leonberg.
Gemeinsam mit den Jugendlichen stellte Geschäftsführer Tobias Merckle der Delegation das Konzept des Projekts vor. Zielgruppe des Seehauses sind zur Jugendstrafe verurteilte Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren. Im Seehaus soll durch eine positive Gruppenkultur und die Vermeidung einer negativen Subkultur die Grundlage dafür geschaffen, dass die Jugendlichen von den verschiedenen Angeboten profitieren können. Dabei spielen vor allem Schulbildung und Berufsvorbereitung eine zentrale Rolle, insbesondere in den Berufsfeldern Holz- und Bautechnik.
Durch vielfältige örtliche Kontakte und Kooperationen erfahren die handwerklichen Fähigkeiten besondere Anerkennung. Unter dem Aspekt der Wiedergutmachung sind in das Konzept auch gemeinnützige Arbeit und der Täter-Opfer-Ausgleich eingebunden. In einem eng strukturierten Tagesablauf sollen die Jugendlichen zudem einen sinnvollen Umgang mit ihrer Freizeit erlernen. Da den Jugendlichen ein intaktes Familienleben weitgehend fremd sei, betonte Merckle die Wichtigkeit der Wohngruppen. Die in der Regel aus fünf bis sieben Jugendlichen bestehenden Wohngruppen versorgen sich weitgehend selbst und werden von einem Mitarbeiterehepaar als Hauseltern betreut.
Die Delegation wurde von einer Wohngruppe zu einem selbst zubereiteten Mittagessen eingeladen und konnte dabei die Gelegenheit nutzen, mit den Jugendlichen selbst über das Projekt und ihre Erfahrungen zu diskutieren.
Die Informationsreise führte die Mitglieder der Delegation im Anschluss weiter nach Basel, um sich über das Konzept der "Abeitserziehungsanstalt Arxhof" zu informieren. Direktor Renato Rossi zeigte sich über das Interesse aus Rheinland-Pfalz hocherfreut, weil der Arxhof durchaus auch als Vorbild gebende Anstalt konzipiert sei, was sich nicht zuletzt in einem Budget von 15 Millionen Schweizer Franken ausdrücke.
Das Angebot des Arxhofs richtet sich an verurteilte Jugendliche im Alter zwischen 17 und 25 Jahren. Das Therapiekonzept basiert auf drei gleichwertigen Säulen: Psychotherapie, Sozialpädagogik und Ausbildung und einem therapeutischen Milieu mit speziellen Behandlungskonzepten für Gewalttäter und Süchtige. Das Konzept zielt darauf ab, Selbstverantwortung aufzubauen, Konfliktfähigkeit und soziale Handlungskompetenz zu entwickeln und nicht zuletzt den Einstieg in die Berufswelt zu ermöglichen. Von zentraler konzeptioneller Bedeutung sei die Mitbeteiligung der Jugendlichen, betonte Direktor Renato Rossi, die sich in der Übertragung von Mitverantwortung für andere Jugendliche, aber auch in den Gremien der Einrichtung über Mitbestimmungsrechte manifestiere.
Unter Einbeziehung der gewonnenen Einblicke und Informationen werden die Beratungen zum Jugendstrafvollzugsgesetz nun fortgeführt, resümierte Herbert Schneiders.
Klicken Sie hier, um die Original-Online-Ausgabe der Staatszeitung - Staatsanzeiger für Rheinland-Pfalz, Ausgabe 41, Jahrgang 58, 12. November 2007 online abzurufen.